
Cirrus castellanus
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Der Name «castellanus» (lat. burgähnlich, zu castellum = kleine Burg) beschreibt die turm- oder zinnenartigen Auswüchse, die von einer gemeinsamen Basis aufsteigen. Cirrus castellanus zeigt sich als hohe, zarte Eiswolke mit deutlich erkennbaren vertikalen, türmchenförmigen Aufquellungen. Diese Quellformen entstehen durch lokale konvektive Instabilität in grosser Höhe, typischerweise oberhalb von 6'000 Metern. Im Gegensatz zum gewöhnlichen Cirrus, der eher faserig und horizontal ausgebreitet erscheint, weist Cirrus castellanus markante vertikale Strukturen auf, die an die Zinnen einer mittelalterlichen Burg erinnern. Die Wolke besteht vollständig aus Eiskristallen und kann bei geeigneten Bedingungen Fallstreifen (Virga) ausbilden.
Hervorgehoben: alle Gattungen, bei denen castellanus vorkommt.
Cirrus castellanus ist ein wichtiger Indikator für Instabilität in der oberen Troposphäre. Das Vorhandensein konvektiver Aufquellungen in dieser Höhe deutet auf Feuchte und labile Schichtung hin, was als Vorläufer für die Entwicklung von Gewittern in den kommenden 12 bis 36 Stunden interpretiert werden kann. Besonders am Morgen beobachtet, gilt Cirrus castellanus als eines der zuverlässigsten Frühwarnzeichen für sommerliche Konvektionsentwicklung. Er zeigt an, dass die Atmosphäre in mittleren und oberen Schichten genügend Energie und Feuchtigkeit für die Bildung von Cumulonimbus-Wolken besitzt. In Kombination mit anderen Instabilitätszeichen, wie etwa Altocumulus castellanus, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit bevorstehender Schauer- oder Gewitteraktivität erheblich.