
Altostratus virga
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Der Name «virga» (lat. Rute, Zweig) beschreibt streifenförmige Fallstreifen aus Niederschlag, die unter einer Wolke hängen, den Erdboden aber nicht erreichen. Es handelt sich nicht um eine eigenständige Wolkengattung, sondern um eine Begleiterscheinung, die bei verschiedenen Wolkengattungen auftreten kann, insbesondere bei Altocumulus, Cirrocumulus, Altostratus, Nimbostratus, Stratocumulus, Cumulus und Cumulonimbus. Die Niederschlagspartikel (Regentropfen oder Eiskristalle) verdunsten oder sublimieren auf ihrem Weg nach unten in trockener Luft, bevor sie den Boden erreichen. Virga erscheint als feine, oft gebogene oder schräg verlaufende Schleier oder Streifen unterhalb der Wolkenbasis.
virga ist kein eigenständiger Wolkentyp, sondern ein Ergänzungsmerkmal, das zusätzlich zur Gattungsbezeichnung angegeben wird. Es kann bei folgenden Gattungen auftreten: Cc, Ac, As, Ns, Sc, Cu, Cb.
Virga zeigt an, dass die Luftschicht unterhalb der Wolke deutlich trockener ist als in Wolkenhöhe. Die Verdunstung des Niederschlags kühlt die Luft ab und kann zu Fallböen (Downbursts) führen, besonders bei Cumulonimbus-Virga in heisser, trockener Umgebung. Im Gebirge und in ariden Regionen ist Virga sehr häufig zu beobachten. Sie kann ein Hinweis auf einen herannahenden Wetterumschwung sein, wenn die Atmosphäre allmählich feuchter wird und der Niederschlag später den Boden erreicht. Für die Luftfahrt sind Virga-Erscheinungen wegen möglicher Turbulenzen und plötzlicher Windscherungen relevant.